Vergleich
Elamipretide vs. Humanin
Zwei Peptide direkt nebeneinander — Identität, Evidenzlage, Rechtsstatus und bekannte Nebenwirkungen.
Identität
Kategorie
Forschung sonstige
Forschung sonstige
CAS-Nr.
736992-21-5
330936-69-1
Molekulargewicht
639.8 g/mol
2687.27 g/mol
Halbwertszeit
keine Daten
keine Daten
Sequenz
D-Arg-Dmt-Lys-Phe-NH2Met-Ala-Pro-Arg-Gly-Phe-Ser-Cys-Leu-Leu-Leu-Leu-Thr-Ser-Glu-Ile-Asp-Leu-Pro-Val-Lys-Arg-Arg-AlaWirkmechanismus
Elamipretide
Elamipretide ist ein zellpermeables Tetrapeptid mit alternierenden aromatischen und basischen Resten, das sich selektiv an Cardiolipin anreichert — ein Phospholipid, das nahezu ausschließlich in der inneren Mitochondrienmembran vorkommt und für die Krümmung der Cristae sowie die Organisation der Atmungsketten-Komplexe wichtig ist. Durch die Bindung an Cardiolipin soll Elamipretide die Cristae-Architektur stabilisieren, den Elektronentransport und die ATP-Produktion unterstützen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies verringern. Diese mechanistischen Modelle stammen überwiegend aus Zell- und Tiermodellen sowie biophysikalischen Untersuchungen; inwieweit sie klinische Wirksamkeit beim Menschen erklären, ist angesichts der gemischten Studienergebnisse Gegenstand der Forschung.
Humanin
Humanin entsteht aus einem kurzen offenen Leserahmen innerhalb der 16S-rRNA-Region des mitochondrialen Genoms (MT-RNR2) — es wird also nicht von Kern-DNA kodiert. Mechanistisch wird in präklinischen Arbeiten ein zytoprotektiver, anti-apoptotischer Effekt über mehrere Wege beschrieben: eine extrazelluläre Bindung an einen trimeren Rezeptorkomplex aus gp130, CNTFR und WSX-1 mit nachfolgender Aktivierung des JAK2/STAT3-Signalwegs sowie intrazelluläre Interaktionen, darunter eine Hemmung des pro-apoptotischen Proteins BAX (und von tBID), eine Bindung an IGFBP-3 mit Modulation der IGF-1-Achse und eine Interaktion mit FPRL1/FPRL2-Rezeptoren. Diese Modelle stammen überwiegend aus Zellkultur und Nagern; inwieweit sie die menschliche Physiologie nach Gabe von exogenem synthetischem Humanin abbilden, ist nicht durch kontrollierte Humanstudien belegt.
Evidenz-Lage
Höchste Evidenz
Human-RCT
Humanstudie
Studien
4
4
davon am Menschen
4
1
Effekte erfasst
4
4
Offene Widersprüche
1
1
Dokumentierte Nebenwirkungen
1
0
Rechtsstatus
Vollständige Einträge
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Elamipretide und Humanin?
- Elamipretide wird der Kategorie „Forschung sonstige" zugeordnet, Humanin der Kategorie „Forschung sonstige". Elamipretide: Elamipretide (SS-31, MTP-131, früher Bendavia) ist ein synthetisches, mitochondrien-gerichtetes Tetrapeptid (Sequenz D-Arg-Dmt-Lys-Phe-NH2), das an Cardiolipin der inneren Mitochondrienmembran bindet und so die Cristae-Struktur stabilisieren und die mitochondriale Bioenergetik unterstützen soll. Es wurde von Stealth BioTherapeutics in mehreren Indikationen klinisch geprüft, darunter primäre mitochondriale Myopathie, Barth-Syndrom, Herzinsuffizienz und trockene altersbedingte Makuladegeneration (geographische Atrophie). Die Studienlage ist gemischt: Mehrere zentrale Studien verfehlten ihre primären Endpunkte. Im September 2025 erhielt Elamipretide (Handelsname Forzinity) in den USA eine beschleunigte FDA-Zulassung ausschließlich für das ultra-seltene Barth-Syndrom; in allen übrigen geprüften Indikationen bleibt es investigationell und ist außerhalb der USA nicht als Arzneimittel zugelassen. Humanin: Humanin ist ein 24 Aminosäuren langes mitochondrial-kodiertes Peptid (mitochondrial-derived peptide, MDP), dessen offener Leserahmen innerhalb der 16S-rRNA-Region (Gen MT-RNR2) der mitochondrialen DNA liegt. Es gilt als Gründungsmitglied der MDP-Familie und wurde 2001 von der Gruppe um Hashimoto/Nishimoto bei der Suche nach neuroprotektiven Faktoren im Gehirn eines Alzheimer-Patienten entdeckt. In der Grundlagenforschung (u.a. Labor von Pinchas Cohen) wird Humanin als zytoprotektives, anti-apoptotisches Peptid beschrieben und in den Kontexten Alzheimer/Neuroprotektion, Stoffwechsel/Insulinwirkung und Alterung untersucht. Die Evidenz stammt nahezu vollständig aus Zell- und Tiermodellen sowie aus Beobachtungen körpereigener Spiegel beim Menschen; kontrollierte Humanstudien zu exogenem Humanin als Therapeutikum fehlen. Es ist nirgends als Arzneimittel zugelassen und wird grau-marktseitig als Forschungschemikalie gehandelt. Diese Seite stellt beide neutral und quellenbasiert gegenüber — ohne Anwendungs- oder Dosierempfehlung.
- Welches Peptid ist besser wissenschaftlich belegt, Elamipretide oder Humanin?
- Der höchste vorhandene Evidenzgrad ist bei Elamipretide „Human-RCT" und bei Humanin „Humanstudie". Ein höherer Evidenzgrad bedeutet belastbarere Daten, aber keine Aussage über Eignung für eine Einzelperson. Die vollständige Studienlage steht auf den jeweiligen Einzelseiten.
- Wie ist der Rechtsstatus von Elamipretide und Humanin in Deutschland und den USA?
- Deutschland: Elamipretide — Nicht zugelassen, Humanin — Nicht zugelassen. USA: Elamipretide — Verschreibung, Humanin — Nur Forschung. Angaben sind faktische Zusammenfassungen mit Quelle und Prüfdatum auf den Einzelseiten.