Vergleich
Kisspeptin-10 vs. Leuprorelin
Zwei Peptide direkt nebeneinander — Identität, Evidenzlage, Rechtsstatus und bekannte Nebenwirkungen.
Identität
Kategorie
Forschung sonstige
Forschung sonstige
CAS-Nr.
374675-21-5
53714-56-0
Molekulargewicht
1302.44 g/mol
1209.4 g/mol
Halbwertszeit
0.07 h
3 h
Sequenz
H-Tyr-Asn-Trp-Asn-Ser-Phe-Gly-Leu-Arg-Phe-NH2Pyr-His-Trp-Ser-Tyr-D-Leu-Leu-Arg-Pro-NHEtWirkmechanismus
Kisspeptin-10
Kisspeptin-10 umfasst die zehn C-terminalen Aminosäuren, die für die Bindung an den Rezeptor KISS1R (auch GPR54) ausreichen. KISS1R ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor, der vor allem auf GnRH-Neuronen im Hypothalamus exprimiert wird. Die Aktivierung führt über den Gq/11-Phospholipase-C-Weg zur Freisetzung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH), das wiederum die Hypophyse zur Ausschüttung von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) anregt. Kisspeptin-Signalgebung gilt als unverzichtbarer Auslöser der Pubertät; inaktivierende Mutationen in KISS1R sind mit ausbleibender Pubertät (idiopathischem hypogonadotropem Hypogonadismus) assoziiert. Über die reproduktive Achse hinaus wird KISS1R-Expression in limbischen Hirnregionen beschrieben, was als möglicher Mechanismus für die in Bildgebungsstudien beobachteten Effekte auf sexuelle und emotionale Verarbeitung diskutiert wird.
Leuprorelin
Leuprorelin ist ein GnRH-Rezeptor-Agonist. Nach Bindung an hypophysäre GnRH-Rezeptoren kommt es zunächst zu einer vorübergehenden Stimulation der Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) – dem sogenannten Flare. Bei kontinuierlicher, nicht-pulsatiler Exposition werden die Rezeptoren herunterreguliert und desensibilisiert, was die Gonadotropin-Sekretion supprimiert und in der Folge die Sexualsteroide (Testosteron beziehungsweise Östradiol) auf niedrige Spiegel senkt. Dieser Mechanismus erklärt die in der Literatur beschriebene Anwendung bei hormonabhängigen Erkrankungen.
Evidenz-Lage
Höchste Evidenz
Human-RCT
Human-RCT
Studien
4
4
davon am Menschen
4
4
Effekte erfasst
4
4
Offene Widersprüche
1
1
Dokumentierte Nebenwirkungen
1
3
Rechtsstatus
Vollständige Einträge
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Kisspeptin-10 und Leuprorelin?
- Kisspeptin-10 wird der Kategorie „Forschung sonstige" zugeordnet, Leuprorelin der Kategorie „Forschung sonstige". Kisspeptin-10: Kisspeptin-10 ist das kürzeste bioaktive Fragment (10 Aminosäuren) des endogenen Neuropeptids Kisspeptin, das vom KISS1-Gen kodiert wird. Es wirkt als Agonist am Rezeptor KISS1R (GPR54) und stimuliert hypothalamische GnRH-Neuronen, was zur Ausschüttung von LH und FSH führt. Kisspeptin ist ein zentraler Schalter von Pubertät und Reproduktion und wird am Menschen vor allem von der Arbeitsgruppe um Waljit Dhillo (Imperial College London) bei reproduktiven Störungen sowie bei der sexuellen und emotionalen Verarbeitung im Gehirn erforscht. Es ist kein zugelassenes Arzneimittel. Leuprorelin: Leuprorelin (auch Leuprolid) ist ein synthetisches Nonapeptid-Analogon des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH/LHRH). Es ist in mehreren Ländern als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen, unter anderem zur Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms, der Endometriose, von Uterusmyomen und der zentralen Pubertas praecox. Diese Seite fasst neutral die Studienlage und den Rechtsstatus zusammen und ist keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Diese Seite stellt beide neutral und quellenbasiert gegenüber — ohne Anwendungs- oder Dosierempfehlung.
- Welches Peptid ist besser wissenschaftlich belegt, Kisspeptin-10 oder Leuprorelin?
- Der höchste vorhandene Evidenzgrad ist bei Kisspeptin-10 „Human-RCT" und bei Leuprorelin „Human-RCT". Ein höherer Evidenzgrad bedeutet belastbarere Daten, aber keine Aussage über Eignung für eine Einzelperson. Die vollständige Studienlage steht auf den jeweiligen Einzelseiten.
- Wie ist der Rechtsstatus von Kisspeptin-10 und Leuprorelin in Deutschland und den USA?
- Deutschland: Kisspeptin-10 — Nicht zugelassen, Leuprorelin — Verschreibung. USA: Kisspeptin-10 — Nur Forschung, Leuprorelin — Verschreibung. Angaben sind faktische Zusammenfassungen mit Quelle und Prüfdatum auf den Einzelseiten.